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Kreative Malerei in den unterschiedlichen Epochen

Von der Höhlenwand bis zur Gegenwart. Die Epochen der Malerei im Überblick und die Frage, was den jeweiligen Umbruch ausgelöst hat.

Veröffentlicht am 24.02.2013 Aktualisiert am 06.08.2026

Illustration zum Thema Kreative Malerei in den unterschiedlichen Epochen

Malerei ist die älteste dokumentierte kreative Tätigkeit des Menschen. Ihre Geschichte ist deshalb ein sehr langes Protokoll darüber, wie neue Ideen entstehen. Nicht durch Genie im luftleeren Raum, sondern fast immer durch drei sehr nüchterne Auslöser. Neue Technik, neue Auftraggeber, Widerspruch zur Vorgängergeneration.

Dieser Beitrag gibt erst die Übersicht und geht danach der Frage nach, was den jeweiligen Umbruch ausgelöst hat.

Die Epochen im Überblick

EpocheZeitraumKennzeichenNamen
Höhlenmalereiab ca. 64.000 v. h.Tierdarstellungen, Handabdrücke, Erdfarbenanonym
Altägyptenca. 3000 bis 300 v. Chr.Flächigkeit, Bedeutungsgröße, strenger Kanonanonym
Antikeca. 800 v. Chr. bis 500 n. Chr.Vasenmalerei, Wandfresken in PompejiApelles, überliefert
Mittelalterca. 500 bis 1400Goldgrund, Buchmalerei, keine RaumtiefeGiotto im Übergang
Renaissanceca. 1400 bis 1600Zentralperspektive, Anatomie, ÖlmalereiLeonardo, Raffael, Dürer
Barockca. 1600 bis 1750starke Licht-Schatten-Führung, BewegungCaravaggio, Rubens, Rembrandt
Rokokoca. 1720 bis 1780heitere Szenen, helle Farben, DekorWatteau, Fragonard
Klassizismusca. 1770 bis 1830klare Linien, antike Vorbilder, StrengeDavid, Ingres
Romantikca. 1790 bis 1850Natur als Stimmungsträger, das ErhabeneC. D. Friedrich, Turner, Goya
Realismusca. 1840 bis 1880Alltag statt Mythos, arbeitende MenschenCourbet, Millet
Impressionismusca. 1870 bis 1890Licht, Freilichtmalerei, sichtbarer PinselstrichMonet, Renoir, Degas
Postimpressionismusca. 1885 bis 1905Farbe als eigenständiges Mittelvan Gogh, Cézanne, Gauguin
Expressionismusca. 1905 bis 1925Verzerrung, starke Farben, InnensichtKirchner, Marc, Nolde
Kubismusca. 1907 bis 1920mehrere Ansichten gleichzeitig, ZerlegungPicasso, Braque
Abstrakte Malereiab ca. 1910Verzicht auf den GegenstandKandinsky, Mondrian, Malewitsch
Surrealismusca. 1920 bis 1940Traumlogik, unmögliche KombinationenDalí, Magritte, Ernst
Abstrakter Expressionismusca. 1945 bis 1960Format, Geste, FarbfeldPollock, Rothko
Pop-Artca. 1955 bis 1970Alltagsware, Werbesprache, SerieWarhol, Lichtenstein
Zeitgenössischab ca. 1970Nebeneinander aller Mittel, MedienwechselRichter, Kiefer, Basquiat

Die Jahreszahlen sind Näherungen. Epochen lösen einander nicht ab wie Regierungen. Sie überlappen sich oft um Jahrzehnte und setzen in verschiedenen Ländern zu verschiedenen Zeiten ein.

Die Anfänge, älter als lange gedacht

Lange galt die Höhlenmalerei Südfrankreichs und Nordspaniens als Beginn, Chauvet mit rund 36.000 Jahren und Lascaux mit etwa 17.000.

Zwei Befunde haben dieses Bild verschoben. In den spanischen Höhlen La Pasiega, Maltravieso und Ardales wurden rote Farbmarkierungen auf mehr als 64.000 Jahre datiert. Zu dieser Zeit lebte in Europa noch kein anatomisch moderner Mensch, als Urheber kommen also nur Neandertaler in Frage. Und auf Sulawesi in Indonesien wurde 2024 eine gegenständliche Szene aus Menschen- und Tierfiguren auf mindestens 51.200 Jahre datiert. Sie gilt damit als älteste bekannte erzählende Darstellung überhaupt.

Für das Thema dieser Seite ist daran ein Punkt bemerkenswert. Am Anfang stand nicht die Abbildung, sondern das Zeichen, also eine Markierung, die für etwas anderes steht. Genau diese Leistung, etwas durch etwas anderes darzustellen, ist der Kern jeder kreativen Verknüpfung.

Die Farben waren dabei so einfach wie verfügbar. Erdpigmente, Ocker, Holzkohle, gebunden mit Fett oder Wasser. Die Palette der Steinzeit ist im Wesentlichen die Palette dessen, was im Boden lag.

Ägypten und Antike, Regeln statt Blick

Die ägyptische Wandmalerei ist der wohl konsequenteste Fall eines Regelsystems in der Kunstgeschichte. Kopf und Beine im Profil, Oberkörper und Auge frontal, Personen nach Rang größer oder kleiner und nicht nach Entfernung.

Das ist keine Unfähigkeit, sondern eine Entscheidung. Dargestellt wurde nicht, was das Auge sieht, sondern was von einer Sache wesentlich ist. Über rund zweieinhalb Jahrtausende blieb dieser Kanon weitgehend stabil.

In der griechischen und römischen Malerei kippt das. Die Wandbilder aus Pompeji zeigen Verkürzungen, Schattenwurf und angedeutete Raumtiefe, also Beobachtungen, die im europäischen Mittelalter dann wieder weitgehend verloren gehen.

Mittelalter, Fläche mit Absicht

Die mittelalterliche Malerei verzichtet auf Raumtiefe zugunsten von Ordnung. Goldgrund statt Landschaft, Heilige frontal und in fester Größenhierarchie, Fresken auf Kalkputz, Buchmalerei in Klöstern.

Auch hier fehlt keine Fähigkeit, es gilt ein anderes Ziel. Ein Andachtsbild soll nicht überzeugen, dass jemand im Raum steht, sondern klarmachen, wer wichtig ist.

Den Übergang markiert Giotto um 1300. Bei ihm bekommen Figuren Gewicht, Gewänder Falten, Räume Tiefe. Von dort ist es nur noch ein Schritt zur Renaissance.

Renaissance, zwei technische Neuerungen

Kaum ein Umbruch lässt sich so genau auf Technik zurückführen.

Die Zentralperspektive wird im Florenz des frühen 15. Jahrhunderts als geometrisches Konstruktionsverfahren formuliert. Raumtiefe wird damit von einer Begabungsfrage zu einer Konstruktionsaufgabe, also lernbar, überprüfbar und lehrbar.

Die Ölmalerei bringt eine zweite Verschiebung. Öl trocknet langsam, und was wie ein Nachteil klingt, war der eigentliche Gewinn. Man kann in Schichten arbeiten, Übergänge weich ziehen, korrigieren. Tempera auf Ei verzeiht nichts, Öl schon.

Beides zusammen verschiebt, was ein Bild überhaupt sein kann. Und beides zusammen erklärt, warum Leonardo, Raffael und Dürer nicht einfach begabter waren als ihre Vorgänger. Sie hatten anderes Werkzeug.

Barock bis Romantik, neue Auftraggeber

Der zweite große Antrieb ist wirtschaftlich. Wer bezahlt, bestimmt mit, was gemalt wird.

Im Barock wollen Kirche und Höfe Wirkung. Die Antwort ist Bewegung, Dramatik und ein extremer Umgang mit Licht, bei Caravaggio bis zur völligen Dunkelheit ringsum.

In den Niederlanden des 17. Jahrhunderts entsteht ein bürgerlicher Kunstmarkt. Bilder werden kleiner, die Themen alltäglicher, also Stillleben, Interieurs und Landschaften. Vermeer malt eine Frau am Fenster und nicht die Auferstehung.

Klassizismus und Romantik sind die Reaktion aufs Rokoko einerseits und auf die Aufklärung andererseits. Bei Caspar David Friedrich ist die Landschaft kein Ort mehr, sondern eine Stimmung.

Der Bruch, Fotografie und Farbtube

Zwei Erfindungen des 19. Jahrhunderts verändern die Malerei stärker als jede Kunsttheorie.

1841 kommt die Farbtube. Vorher wurden Farben in der Werkstatt angerieben und in Schweinsblasen aufbewahrt, und Malen außerhalb des Ateliers war umständlich bis unmöglich. Die verschließbare Metalltube macht Farbe transportabel. Ohne sie ist die Freilichtmalerei der Impressionisten nicht denkbar. Kein Monet am Fluss, kein wechselndes Licht, keine schnellen Studien vor Ort.

1839 kommt die Fotografie. Sie übernimmt in wenigen Jahrzehnten die Aufgabe, die die Malerei jahrhundertelang definiert hatte, nämlich festzuhalten, wie etwas aussieht. Überliefert ist der Ausruf eines Zeitgenossen, von heute an sei die Malerei tot. Belegt ist er nicht.

Tot war sie nicht, aber freigesetzt. Wenn die Abbildung erledigt ist, kann Malerei sich anderem zuwenden. Dem Licht im Impressionismus, der Farbe als Eigenwert bei van Gogh, dem Gefühl im Expressionismus, der Zerlegung im Kubismus und schließlich dem Verzicht auf den Gegenstand überhaupt bei Kandinsky, Mondrian und Malewitsch.

Das ist der interessanteste Vorgang der ganzen Kunstgeschichte für jeden, der mit Ideen arbeitet. Eine verlorene Aufgabe war die Voraussetzung für die produktivste Phase.

20. Jahrhundert, Widerspruch als Programm

Ab etwa 1900 folgen die Richtungen in immer kürzeren Abständen, und der Antrieb ist zunehmend der dritte, die bewusste Abkehr von dem, was gerade gilt.

RichtungWogegen sie sich richtet
Expressionismusgegen die Naturtreue des Impressionismus
Kubismusgegen den einen festen Blickpunkt
Abstrakte Malereigegen den Gegenstand als solchen
Surrealismusgegen die Herrschaft des Verstandes über das Bild
Abstrakter Expressionismusgegen das Bild als geplantes Werk
Pop-Artgegen den Ernst des abstrakten Expressionismus

Diese Spalte rechts ist das eigentliche Muster. Jede Bewegung definiert sich zuerst über das, was sie nicht mehr tut.

Was das mit Kreativitätstechniken zu tun hat

Genau dieses Muster bauen Techniken im Kleinen nach.

Umkehrung. Wenn eine ganze Epoche als Gegenteil ihrer Vorgängerin entsteht, ist das im Zeitraffer die Kopfstandmethode. Fragen Sie nicht, wie es besser geht, sondern was das genaue Gegenteil wäre.

Einschränkung. Malewitschs schwarzes Quadrat ist eine radikale Beschränkung und produktiver als jede offene Aufgabe. Dasselbe Prinzip macht enge Vorgaben in Workshops wirksamer als das leere Blatt.

Neues Werkzeug erzwingt neue Ergebnisse. Perspektive, Ölfarbe, Farbtube, Fotografie, Computer. Jedes Mal entstand ein Stil, weil sich das Werkzeug änderte. Wer in einem Projekt feststeckt, sollte deshalb nicht nur nach neuen Ideen suchen, sondern nach einem anderen Werkzeug, also Material, Format, Ort oder Zeitrahmen.

Fremdes Material aufnehmen. Der Einfluss japanischer Holzschnitte auf van Gogh und die Impressionisten, afrikanischer Masken auf Picasso. In beiden Fällen kam der Anstoß von außerhalb des Fachs. Warum das systematisch funktioniert, steht unter Neue Ideen durch Inspiration.

Und heute?

Seit etwa 1970 gibt es keine führende Richtung mehr, sondern ein Nebeneinander. Gegenständlich und abstrakt, Leinwand und Bildschirm, Handwerk und generierte Bilder. Man kann das als Erschöpfung deuten, weil alles schon dagewesen sei.

Näher liegt die andere Lesart. In jeder der beschriebenen Epochen entstand das Neue nicht aus dem Nichts, sondern aus Kombination unter neuen Bedingungen. Die Bedingungen ändern sich weiter, also ändert sich auch das Ergebnis. Wie die Fotografie diesen Prozess selbst durchlaufen hat, von der technischen Kuriosität zur eigenständigen Kunstform, steht unter Geschichte und Formen der Fotografie.

Häufige Fragen

Welche Epochen der Malerei gibt es?

In grober Reihenfolge Höhlenmalerei, altägyptische und antike Malerei, mittelalterliche Buch- und Tafelmalerei, Renaissance, Barock, Rokoko, Klassizismus, Romantik, Realismus, Impressionismus, Expressionismus, Kubismus, abstrakte Malerei, Surrealismus, abstrakter Expressionismus, Pop-Art und die zeitgenössische Kunst ab etwa 1970. Die Grenzen sind unscharf, Epochen überlappen sich um Jahrzehnte.

Wie alt ist die älteste bekannte Malerei?

Rote Farbmarkierungen in drei spanischen Höhlen wurden auf mehr als 64.000 Jahre datiert, so alt, dass als Urheber nur Neandertaler in Frage kommen. Die älteste bekannte gegenständliche Szene stammt aus einer Höhle auf Sulawesi in Indonesien und ist mindestens 51.200 Jahre alt.

Was löst einen neuen Malstil aus?

Meist eines von drei Dingen. Eine neue Technik oder ein neues Material, ein Wechsel der Auftraggeber oder der bewusste Widerspruch zur vorherigen Generation. Die Farbtube ab 1841 ermöglichte die Freilichtmalerei und damit den Impressionismus, die Fotografie nahm der Malerei die Aufgabe der Abbildung ab und setzte sie frei.

Warum gilt die Renaissance als Wendepunkt?

Wegen zweier technischer Neuerungen mit enormer Wirkung, der konstruierten Zentralperspektive und der Ölmalerei. Die Perspektive erlaubte räumliche Tiefe nach festen Regeln, die Ölfarbe langsames Arbeiten in Schichten und damit Korrekturen. Beides zusammen verschob, was ein Bild überhaupt zeigen konnte.

Was hat Kunstgeschichte mit Kreativitätstechniken zu tun?

Sie zeigt in Zeitlupe, was Techniken im Kleinen erzwingen wollen, nämlich die bewusste Abkehr vom Gewohnten. Fast jede Epoche entsteht als Umkehrung ihrer Vorgängerin, und genau dieses Prinzip baut die Kopfstandmethode in zwanzig Minuten nach.

Quellen & weiterführende Links

Themenbereich: Ideen

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