Kreativitätstechnik

Mindmapping

Gedanken sichtbar verzweigen. Vom zentralen Begriff aus wächst eine Karte aus Ästen und macht Zusammenhänge sichtbar, die in einer Liste untergehen.

Veröffentlicht am 23.11.2010 Aktualisiert am 06.08.2026

Illustration zur Kreativitätstechnik Mindmapping

Eine Liste kann viel. Nur eines kann sie nicht, nämlich zeigen, wie die Dinge, die auf ihr stehen, miteinander zusammenhängen. Genau dafür ist die Mindmap gemacht, eine Baumdarstellung, bei der ein Thema in der Mitte steht und sich nach außen verzweigt.

Der Vorteil zeigt sich beim Erweitern. In einer Liste muss ein neuer Punkt ans Ende oder mitten hinein, wo er die Ordnung stört. In einer Mindmap kommt er an den Ast, an den er gehört, ohne dass irgendetwas neu geschrieben werden muss.

Tony Buzan popularisierte die Darstellung ab den 1970er-Jahren. Die Grundidee selbst ist deutlich älter, denn Verzweigungsdiagramme finden sich schon in mittelalterlichen Handschriften.

Die sieben Grundregeln

RegelWarum
Blatt im QuerformatBäume wachsen in die Breite, nicht in die Höhe
Thema in die Mitte, möglichst als BildVon dort aus ist in alle Richtungen Platz
Ein Schlüsselwort je AstGanze Sätze schließen den Gedanken ab
Äste von innen nach außen dünnerHierarchie wird ohne Erklärung sichtbar
Farben für die HauptästeMan findet Zweige wieder, ohne zu lesen
DruckbuchstabenNach zwei Wochen noch lesbar
Bilder statt Wörter, wo möglichBleiben besser im Gedächtnis als Text

Die dritte Regel ist die wichtigste und wird am häufigsten gebrochen. Wer „Kunden über 60 mit hohem Einkommen“ auf einen Ast schreibt, hat den Gedanken fertig gedacht. Wer „60+“ schreibt, kann weiterverzweigen, nämlich zu Einkommen, Bedürfnissen, Kanälen und Ansprache.

Ablauf

Klären Sie zuerst das Ziel. Eine Mindmap zum Strukturieren sieht anders aus als eine zum Ideenfinden. Beim Strukturieren stehen die Hauptäste vorher fest, beim Ideenfinden entstehen sie unterwegs.

Dann kommt das Thema in die Mitte. Eingekreist, gern farbig. Legen Sie fünf bis sieben Hauptäste an. Mehr wird unübersichtlich, weniger deutet darauf hin, dass eine Ebene fehlt.

Jetzt wird verzweigt, ohne zu bewerten. Was einfällt, kommt aufs Blatt. Wenn zwei Zweige zusammenhängen, verbinden Sie sie mit einer gestrichelten Linie. Diese Querverbindungen sind fast immer die interessanteste Stelle der ganzen Karte.

Zum Schluss wird gewichtet. Wichtiges rückt nach innen, Randthemen nach außen.

Beispiel aus der Praxis

Ein Schuhmacher suchte ein zweites Standbein. In die Mitte kam sein Beruf, darum herum fünf Hauptäste.

HauptastZweige
MaterialLeder, Kunstleder, Gummi, Holz, Kork, Textil
SchuhartenSport, Business, Kinder, orthopädisch, Sicherheitsschuh, Trachtenschuh
FußSocken, Einlegesohlen, Fußpflege, Vermessung, Massage
KundenLäufer, Pflegepersonal, Handwerk, Sammler, Tanzschulen
KönnenNähen, Zuschneiden, Kleben, Vermessen, Reparieren

Interessant wurde es bei den Querverbindungen. „Vermessen“ aus dem Ast Können traf auf „orthopädisch“ aus den Schuharten und auf „Pflegepersonal“ aus den Kunden. Daraus entstand die Idee, Fußvermessung als eigene Dienstleistung anzubieten, gezielt für Berufsgruppen, die den ganzen Tag stehen.

Die Idee stand an keiner Stelle auf dem Blatt. Sie entstand aus der Verbindung dreier Zweige, die getrennt notiert worden waren. Genau dafür ist die Darstellung gemacht.

Papier oder Software

PapierSoftware
Geschwindigkeitsehr hochmittel, Bedienung lenkt ab
Umbauenmühsam, meist Neuzeichnensehr einfach
Teilen und archivierenFotonativ
Durchsuchbarkeitkeinevorhanden
Platzbegrenzt durch Blattgrößeunbegrenzt
Gedankenflussungestörtwird durch Menüs unterbrochen

Für die Denkarbeit ist Papier fast immer besser. Man ist schneller, und niemand überlegt, welche Farbe der Ast bekommt. Für die Weiterverwendung ist Software besser. Ein bewährter Weg ist deshalb zweistufig. Erst zeichnen, dann übertragen. Beim Übertragen fällt ohnehin auf, was überflüssig war.

In der Gruppe

Mindmapping funktioniert in kleinen Runden gut, braucht aber eine Regel. Eine Person hält den Stift. Sonst entstehen drei Karten nebeneinander. Die schreibende Person moderiert nicht. Sie protokolliert, und sie entscheidet nicht darüber, was auf die Karte kommt und was nicht.

Bewährt hat sich die Kombination mit dem Brainstorming. Erst frei sammeln, dann gemeinsam in eine Mindmap ordnen. Das Ordnen deckt regelmäßig Lücken auf, die beim Sammeln niemand bemerkt hat.

Grenzen der Methode

Eine Mindmap ist ein Baum, jeder Punkt hat genau einen Vorgänger. Bei Themen mit vielen Querbeziehungen führt das in die Irre, weil man sich für eine Einordnung entscheiden muss, die es in der Sache gar nicht gibt und die man später gegen die eigene Karte verteidigt. Die gestrichelten Querverbindungen helfen, lösen das Problem aber nicht.

Auch als reine Ideenfindungstechnik ist die Mindmap schwächer als ihr Ruf. Sie ordnet hervorragend, was schon da ist, und erzeugt selten etwas wirklich Unerwartetes. Dafür sind Reizwortanalyse oder Kopfstandmethode die deutlich stärkeren Werkzeuge.

Wenn es darum geht, ein Thema systematisch und vollständig durchzuarbeiten, ist der morphologische Kasten die passendere Wahl. Er zwingt zur Vollständigkeit, während die Mindmap dort endet, wo dem Zeichnenden nichts mehr einfällt.

Häufige Fragen

Was ist eine Mindmap?

Eine Mindmap ist eine Baumdarstellung. In der Mitte steht das Thema, davon zweigen Hauptäste ab, die sich wiederum verzweigen. Anders als eine Liste zeigt sie nicht nur Punkte, sondern deren Beziehungen zueinander, und sie lässt sich an jeder Stelle erweitern, ohne dass die Struktur neu geschrieben werden muss.

Was sind die Regeln beim Mindmapping?

Tony Buzan formulierte unter anderem, das Blatt quer zu legen, das Thema in die Mitte zu setzen, ein Schlüsselwort je Ast zu verwenden, die Äste von innen nach außen dünner werden zu lassen, Farben zur Unterscheidung der Hauptäste einzusetzen, in Druckbuchstaben zu schreiben und Bilder statt Wörter zu nutzen, wo es geht. Die Regeln sind Empfehlungen, denn wer viel mit Mindmaps arbeitet, entwickelt einen eigenen Stil.

Warum nur ein Wort pro Ast?

Ganze Sätze schließen einen Gedanken ab. Ein einzelnes Schlüsselwort lässt offen, wohin es weitergeht, und lädt zum Weiterverzweigen ein. Wer Sätze auf die Äste schreibt, hat am Ende eine unübersichtliche Gliederung statt einer Mindmap.

Papier oder Software?

Fürs Denken Papier, fürs Aufbewahren Software. Auf Papier ist man schneller und wird nicht von Formatierung abgelenkt, digitale Programme lassen sich dafür umbauen, teilen und durchsuchen. Ein gängiger Weg führt über beides, erst auf Papier entwerfen, dann das Ergebnis digital abbilden.

Wofür eignet sich Mindmapping nicht?

Für Aufgaben mit vielen Querverbindungen. Eine Mindmap ist ein Baum, jeder Punkt hat genau einen Vorgänger. Wo Dinge in mehreren Zusammenhängen gleichzeitig stehen, wird die Darstellung schnell falsch. Dann eignen sich Netzdarstellungen oder ein morphologischer Kasten besser.

Quellen & weiterführende Links

Themenbereich: Kreativitätstechniken

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