Kreativitätstechnik
Mindmapping
Gedanken sichtbar verzweigen. Vom zentralen Begriff aus wächst eine Karte aus Ästen und macht Zusammenhänge sichtbar, die in einer Liste untergehen.
Eine Mindmap zeigt, was eine Liste nicht zeigen kann: wie die Dinge, die auf ihr stehen, miteinander zusammenhängen. In der Mitte steht das Thema, nach außen verzweigt es sich in Äste und Zweige. Für das Strukturieren eines Themas ist sie die schnellste Kreativitätstechnik, für das Erfinden neuer Ideen eine der schwächeren.
Der Vorteil zeigt sich beim Erweitern. In einer Liste muss ein neuer Punkt ans Ende oder mitten hinein, wo er die Ordnung stört. In einer Mindmap kommt er an den Ast, an den er gehört, ohne dass irgendetwas neu geschrieben werden muss.
Zentrum und drei Hauptäste einer Mindmap.
Den Begriff prägte der britische Autor Tony Buzan, beginnend mit einer BBC-Fernsehreihe im Jahr 1974. Verzweigte Darstellungen sind deutlich älter. Schon Porphyrios ordnete im dritten Jahrhundert die Kategorien des Aristoteles als Baum, und Ramon Llull arbeitete im Mittelalter mit ähnlichen Figuren.
Die sieben Grundregeln
| Regel | Warum |
|---|---|
| Blatt im Querformat | Bäume wachsen in die Breite, nicht in die Höhe |
| Thema in die Mitte, möglichst als Bild | Von dort aus ist in alle Richtungen Platz |
| Ein Schlüsselwort je Ast | Ganze Sätze schließen den Gedanken ab |
| Äste von innen nach außen dünner | Hierarchie wird ohne Erklärung sichtbar |
| Farben für die Hauptäste | Man findet Zweige wieder, ohne zu lesen |
| Druckbuchstaben | Nach zwei Wochen noch lesbar |
| Bilder statt Wörter, wo möglich | Bleiben besser im Gedächtnis als Text |
Die Regeln gehen auf Buzan zurück und werden in den meisten Anleitungen so weitergegeben: unliniertes Papier, das Thema in der Mitte, Hauptäste in Großbuchstaben. Wer viel mit Mindmaps arbeitet, biegt sich die Regeln zurecht, und das ist in Ordnung. Nur die dritte sollte stehen bleiben.
Sie ist die wichtigste und wird am häufigsten gebrochen. Wer „Kunden über 60 mit hohem Einkommen“ auf einen Ast schreibt, hat den Gedanken fertig gedacht. Wer „60+“ schreibt, kann weiterverzweigen, nämlich zu Einkommen, Bedürfnissen, Kanälen und Ansprache.
Ablauf
Von der Mitte nach außen: fünf Schritte vom Ziel bis zur Gewichtung.
Klären Sie zuerst das Ziel. Eine Mindmap zum Strukturieren sieht anders aus als eine zum Ideenfinden. Beim Strukturieren stehen die Hauptäste vorher fest, beim Ideenfinden entstehen sie unterwegs.
Dann kommt das Thema in die Mitte. Eingekreist, gern farbig. Legen Sie fünf bis sieben Hauptäste an. Mehr wird unübersichtlich, weniger deutet darauf hin, dass eine Ebene fehlt.
Jetzt wird verzweigt, ohne zu bewerten. Was einfällt, kommt aufs Blatt. Wenn zwei Zweige zusammenhängen, verbinden Sie sie mit einer gestrichelten Linie. Diese Querverbindungen sind fast immer die interessanteste Stelle der ganzen Karte.
Zum Schluss wird gewichtet. Wichtiges rückt nach innen, Randthemen nach außen.
Beispiel aus der Praxis
Ein Schuhmacher suchte ein zweites Standbein. In die Mitte kam sein Beruf, darum herum fünf Hauptäste.
| Hauptast | Zweige |
|---|---|
| Material | Leder, Kunstleder, Gummi, Holz, Kork, Textil |
| Schuharten | Sport, Business, Kinder, orthopädisch, Sicherheitsschuh, Trachtenschuh |
| Fuß | Socken, Einlegesohlen, Fußpflege, Vermessung, Massage |
| Kunden | Läufer, Pflegepersonal, Handwerk, Sammler, Tanzschulen |
| Können | Nähen, Zuschneiden, Kleben, Vermessen, Reparieren |
Interessant wurde es bei den Querverbindungen. „Vermessen“ aus dem Ast Können traf auf „orthopädisch“ aus den Schuharten und auf „Pflegepersonal“ aus den Kunden. Daraus entstand die Idee, Fußvermessung als eigene Dienstleistung anzubieten, gezielt für Berufsgruppen, die den ganzen Tag stehen.
Die Idee stand an keiner Stelle auf dem Blatt. Sie entstand aus der Verbindung dreier Zweige, die getrennt notiert worden waren.
Papier oder Software
| Papier | Software | |
|---|---|---|
| Geschwindigkeit | sehr hoch | mittel, Bedienung lenkt ab |
| Umbauen | mühsam, meist Neuzeichnen | sehr einfach |
| Teilen und archivieren | Foto | nativ |
| Durchsuchbarkeit | keine | vorhanden |
| Platz | begrenzt durch Blattgröße | unbegrenzt |
| Gedankenfluss | ungestört | wird durch Menüs unterbrochen |
Für die Denkarbeit ist Papier fast immer besser. Man ist schneller, und niemand überlegt, welche Farbe der Ast bekommt. Für Karten in der Gruppe reicht ein Bogen Flipchart-Papier im Querformat. Für die Weiterverwendung ist Software besser. Ein bewährter Weg ist deshalb zweistufig. Erst zeichnen, dann übertragen. Beim Übertragen fällt ohnehin auf, was überflüssig war. Für verteilte Teams gilt dasselbe wie für Mindmaps und andere Techniken am Bildschirm: erst still auf Papier, dann im geteilten Werkzeug ordnen.
In der Gruppe
Mindmapping funktioniert in kleinen Runden gut, braucht aber eine Regel. Eine Person hält den Stift. Sonst entstehen drei Karten nebeneinander. Die schreibende Person moderiert nicht. Sie protokolliert, und sie entscheidet nicht darüber, was auf die Karte kommt und was nicht.
Bewährt hat sich die Kombination mit dem Brainstorming. Erst frei sammeln, dann gemeinsam in eine Mindmap ordnen. Das Ordnen deckt regelmäßig Lücken auf, die beim Sammeln niemand bemerkt hat. Beides gehört zur Vorbereitung im Modell der Phasen des kreativen Prozesses, und die brauchbare Idee kommt meist erst nach einer Pause.
Grenzen der Methode
Eine Mindmap ist ein Baum, jeder Punkt hat genau einen Vorgänger. Bei Themen mit vielen Querbeziehungen führt das in die Irre, weil man sich für eine Einordnung entscheiden muss, die es in der Sache gar nicht gibt und die man später gegen die eigene Karte verteidigt. Die gestrichelten Querverbindungen helfen, lösen das Problem aber nicht.
Auch als reine Ideenfindungstechnik ist die Mindmap schwächer als ihr Ruf. Sie ordnet hervorragend, was schon da ist, und erzeugt selten etwas wirklich Unerwartetes. Dafür sind Reizwortanalyse oder Kopfstandmethode die deutlich stärkeren Werkzeuge.
Wenn es darum geht, ein Thema systematisch und vollständig durchzuarbeiten, ist der morphologische Kasten die passendere Wahl. Er zwingt zur Vollständigkeit, während die Mindmap dort endet, wo dem Zeichnenden nichts mehr einfällt. Welche Technik zu Ihrer Aufgabe passt, fragt der Methodenfinder in fünf Schritten ab.
Zum Weiterlesen
Tony Buzans Das Mind-Map-Buch ist die Quelle der sieben Regeln und zeigt sie an Dutzenden gezeichneten Karten. Wer die Methode ernsthaft nutzen will, liest die Kapitel zu Schlüsselwörtern und Ästen genau. Die Abschnitte über das Gehirn kann man überblättern, die Zeichenanleitung nicht.
Häufige Fragen
Was ist eine Mindmap?
Eine Mindmap ist eine Baumdarstellung. In der Mitte steht das Thema, davon zweigen Hauptäste ab, die sich wiederum verzweigen. Anders als eine Liste zeigt sie nicht nur Punkte, sondern deren Beziehungen zueinander, und sie lässt sich an jeder Stelle erweitern, ohne dass die Struktur neu geschrieben werden muss.
Eignet sich eine Mindmap zum Lernen für eine Prüfung?
Für den Überblick über ein Fach ja, für Details nein. Eine Mindmap je Kapitel zeigt, was zusammengehört, und lässt sich in zwei Minuten durchgehen. Formeln, Zahlen und Definitionen gehören auf Karteikarten. Wer beides kombiniert, lernt die Struktur über die Karte und den Stoff über die Karten.
Warum nur ein Wort pro Ast?
Ganze Sätze schließen einen Gedanken ab. Ein einzelnes Schlüsselwort lässt offen, wohin es weitergeht, und lädt zum Weiterverzweigen ein. Wer Sätze auf die Äste schreibt, hat am Ende eine unübersichtliche Gliederung statt einer Mindmap.
Kann ich eine Mindmap in einem Vortrag zeigen?
Nur, wenn Sie sie erklären. Eine Mindmap ist für den, der sie gezeichnet hat, sofort lesbar, für alle anderen erst mit Kommentar. Als Agenda-Folie am Anfang funktioniert sie gut, als Handout ohne Erläuterung nicht.
Wofür eignet sich Mindmapping nicht?
Für Themen, bei denen ein Punkt in mehrere Zusammenhänge gehört, etwa Prozesse mit Rückkopplungen oder Abhängigkeiten zwischen Abteilungen. Dort zwingt der Baum zu einer Einordnung, die es in der Sache nicht gibt. Eine Netzdarstellung oder ein morphologischer Kasten passen dann besser.
Quellen & weiterführende Links
Themenbereich: Kreativitätstechniken
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