Kreativitätstechnik

Mindmapping

Gedanken sichtbar verzweigen. Vom zentralen Begriff aus wächst eine Karte aus Ästen und macht Zusammenhänge sichtbar, die in einer Liste untergehen.

Veröffentlicht am 23.11.2010 Aktualisiert am 13.10.2026

Handgezeichnete Mindmap aus farbigen Ästen auf einem großen Blatt, Stifte daneben

Eine Mindmap zeigt, was eine Liste nicht zeigen kann: wie die Dinge, die auf ihr stehen, miteinander zusammenhängen. In der Mitte steht das Thema, nach außen verzweigt es sich in Äste und Zweige. Für das Strukturieren eines Themas ist sie die schnellste Kreativitätstechnik, für das Erfinden neuer Ideen eine der schwächeren.

Der Vorteil zeigt sich beim Erweitern. In einer Liste muss ein neuer Punkt ans Ende oder mitten hinein, wo er die Ordnung stört. In einer Mindmap kommt er an den Ast, an den er gehört, ohne dass irgendetwas neu geschrieben werden muss.

Das Zentrum einer handgezeichneten Mindmap mit einem Kreis und drei farbigen Hauptästen, drei Stifte daneben Zentrum und drei Hauptäste einer Mindmap.

Den Begriff prägte der britische Autor Tony Buzan, beginnend mit einer BBC-Fernsehreihe im Jahr 1974. Verzweigte Darstellungen sind deutlich älter. Schon Porphyrios ordnete im dritten Jahrhundert die Kategorien des Aristoteles als Baum, und Ramon Llull arbeitete im Mittelalter mit ähnlichen Figuren.

Die sieben Grundregeln

RegelWarum
Blatt im QuerformatBäume wachsen in die Breite, nicht in die Höhe
Thema in die Mitte, möglichst als BildVon dort aus ist in alle Richtungen Platz
Ein Schlüsselwort je AstGanze Sätze schließen den Gedanken ab
Äste von innen nach außen dünnerHierarchie wird ohne Erklärung sichtbar
Farben für die HauptästeMan findet Zweige wieder, ohne zu lesen
DruckbuchstabenNach zwei Wochen noch lesbar
Bilder statt Wörter, wo möglichBleiben besser im Gedächtnis als Text

Die Regeln gehen auf Buzan zurück und werden in den meisten Anleitungen so weitergegeben: unliniertes Papier, das Thema in der Mitte, Hauptäste in Großbuchstaben. Wer viel mit Mindmaps arbeitet, biegt sich die Regeln zurecht, und das ist in Ordnung. Nur die dritte sollte stehen bleiben.

Sie ist die wichtigste und wird am häufigsten gebrochen. Wer „Kunden über 60 mit hohem Einkommen“ auf einen Ast schreibt, hat den Gedanken fertig gedacht. Wer „60+“ schreibt, kann weiterverzweigen, nämlich zu Einkommen, Bedürfnissen, Kanälen und Ansprache.

Ablauf

Mindmapping-Ablauf: Ziel klären, Thema in die Mitte, fünf bis sieben Hauptäste, Verzweigen, Gewichten Von der Mitte nach außen: fünf Schritte vom Ziel bis zur Gewichtung.

Klären Sie zuerst das Ziel. Eine Mindmap zum Strukturieren sieht anders aus als eine zum Ideenfinden. Beim Strukturieren stehen die Hauptäste vorher fest, beim Ideenfinden entstehen sie unterwegs.

Dann kommt das Thema in die Mitte. Eingekreist, gern farbig. Legen Sie fünf bis sieben Hauptäste an. Mehr wird unübersichtlich, weniger deutet darauf hin, dass eine Ebene fehlt.

Jetzt wird verzweigt, ohne zu bewerten. Was einfällt, kommt aufs Blatt. Wenn zwei Zweige zusammenhängen, verbinden Sie sie mit einer gestrichelten Linie. Diese Querverbindungen sind fast immer die interessanteste Stelle der ganzen Karte.

Zum Schluss wird gewichtet. Wichtiges rückt nach innen, Randthemen nach außen.

Beispiel aus der Praxis

Ein Schuhmacher suchte ein zweites Standbein. In die Mitte kam sein Beruf, darum herum fünf Hauptäste.

HauptastZweige
MaterialLeder, Kunstleder, Gummi, Holz, Kork, Textil
SchuhartenSport, Business, Kinder, orthopädisch, Sicherheitsschuh, Trachtenschuh
FußSocken, Einlegesohlen, Fußpflege, Vermessung, Massage
KundenLäufer, Pflegepersonal, Handwerk, Sammler, Tanzschulen
KönnenNähen, Zuschneiden, Kleben, Vermessen, Reparieren

Interessant wurde es bei den Querverbindungen. „Vermessen“ aus dem Ast Können traf auf „orthopädisch“ aus den Schuharten und auf „Pflegepersonal“ aus den Kunden. Daraus entstand die Idee, Fußvermessung als eigene Dienstleistung anzubieten, gezielt für Berufsgruppen, die den ganzen Tag stehen.

Die Idee stand an keiner Stelle auf dem Blatt. Sie entstand aus der Verbindung dreier Zweige, die getrennt notiert worden waren.

Papier oder Software

PapierSoftware
Geschwindigkeitsehr hochmittel, Bedienung lenkt ab
Umbauenmühsam, meist Neuzeichnensehr einfach
Teilen und archivierenFotonativ
Durchsuchbarkeitkeinevorhanden
Platzbegrenzt durch Blattgrößeunbegrenzt
Gedankenflussungestörtwird durch Menüs unterbrochen

Für die Denkarbeit ist Papier fast immer besser. Man ist schneller, und niemand überlegt, welche Farbe der Ast bekommt. Für Karten in der Gruppe reicht ein Bogen Flipchart-Papier im Querformat. Für die Weiterverwendung ist Software besser. Ein bewährter Weg ist deshalb zweistufig. Erst zeichnen, dann übertragen. Beim Übertragen fällt ohnehin auf, was überflüssig war. Für verteilte Teams gilt dasselbe wie für Mindmaps und andere Techniken am Bildschirm: erst still auf Papier, dann im geteilten Werkzeug ordnen.

In der Gruppe

Mindmapping funktioniert in kleinen Runden gut, braucht aber eine Regel. Eine Person hält den Stift. Sonst entstehen drei Karten nebeneinander. Die schreibende Person moderiert nicht. Sie protokolliert, und sie entscheidet nicht darüber, was auf die Karte kommt und was nicht.

Bewährt hat sich die Kombination mit dem Brainstorming. Erst frei sammeln, dann gemeinsam in eine Mindmap ordnen. Das Ordnen deckt regelmäßig Lücken auf, die beim Sammeln niemand bemerkt hat. Beides gehört zur Vorbereitung im Modell der Phasen des kreativen Prozesses, und die brauchbare Idee kommt meist erst nach einer Pause.

Grenzen der Methode

Eine Mindmap ist ein Baum, jeder Punkt hat genau einen Vorgänger. Bei Themen mit vielen Querbeziehungen führt das in die Irre, weil man sich für eine Einordnung entscheiden muss, die es in der Sache gar nicht gibt und die man später gegen die eigene Karte verteidigt. Die gestrichelten Querverbindungen helfen, lösen das Problem aber nicht.

Auch als reine Ideenfindungstechnik ist die Mindmap schwächer als ihr Ruf. Sie ordnet hervorragend, was schon da ist, und erzeugt selten etwas wirklich Unerwartetes. Dafür sind Reizwortanalyse oder Kopfstandmethode die deutlich stärkeren Werkzeuge.

Wenn es darum geht, ein Thema systematisch und vollständig durchzuarbeiten, ist der morphologische Kasten die passendere Wahl. Er zwingt zur Vollständigkeit, während die Mindmap dort endet, wo dem Zeichnenden nichts mehr einfällt. Welche Technik zu Ihrer Aufgabe passt, fragt der Methodenfinder in fünf Schritten ab.

Zum Weiterlesen

Tony Buzans Das Mind-Map-Buch ist die Quelle der sieben Regeln und zeigt sie an Dutzenden gezeichneten Karten. Wer die Methode ernsthaft nutzen will, liest die Kapitel zu Schlüsselwörtern und Ästen genau. Die Abschnitte über das Gehirn kann man überblättern, die Zeichenanleitung nicht.

Häufige Fragen

Was ist eine Mindmap?

Eine Mindmap ist eine Baumdarstellung. In der Mitte steht das Thema, davon zweigen Hauptäste ab, die sich wiederum verzweigen. Anders als eine Liste zeigt sie nicht nur Punkte, sondern deren Beziehungen zueinander, und sie lässt sich an jeder Stelle erweitern, ohne dass die Struktur neu geschrieben werden muss.

Eignet sich eine Mindmap zum Lernen für eine Prüfung?

Für den Überblick über ein Fach ja, für Details nein. Eine Mindmap je Kapitel zeigt, was zusammengehört, und lässt sich in zwei Minuten durchgehen. Formeln, Zahlen und Definitionen gehören auf Karteikarten. Wer beides kombiniert, lernt die Struktur über die Karte und den Stoff über die Karten.

Warum nur ein Wort pro Ast?

Ganze Sätze schließen einen Gedanken ab. Ein einzelnes Schlüsselwort lässt offen, wohin es weitergeht, und lädt zum Weiterverzweigen ein. Wer Sätze auf die Äste schreibt, hat am Ende eine unübersichtliche Gliederung statt einer Mindmap.

Kann ich eine Mindmap in einem Vortrag zeigen?

Nur, wenn Sie sie erklären. Eine Mindmap ist für den, der sie gezeichnet hat, sofort lesbar, für alle anderen erst mit Kommentar. Als Agenda-Folie am Anfang funktioniert sie gut, als Handout ohne Erläuterung nicht.

Wofür eignet sich Mindmapping nicht?

Für Themen, bei denen ein Punkt in mehrere Zusammenhänge gehört, etwa Prozesse mit Rückkopplungen oder Abhängigkeiten zwischen Abteilungen. Dort zwingt der Baum zu einer Einordnung, die es in der Sache nicht gibt. Eine Netzdarstellung oder ein morphologischer Kasten passen dann besser.

Quellen & weiterführende Links

Themenbereich: Kreativitätstechniken

Passende Produkte

Anzeige · Affiliate-Links

Als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen. Preise und Verfügbarkeit können abweichen.

Weiterlesen

Welche Technik passt zu Ihrer Aufgabe?

Fünf Fragen zu Gruppe, Ziel, Zeit und Ausgangslage. Der Methodenfinder nennt die passende Technik und den nächsten Schritt.

Methodenfinder starten