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Kreative Wohnideen für zu Hause
Die eigene Wohnung ist ein gutes Übungsfeld. Hier lässt sich ausprobieren, was jede Kreativitätstechnik verlangt, nämlich erst das Problem und dann die Idee.
Die meisten Ratgeber zu Wohnideen zeigen Bilder. Schöne Räume, gut ausgeleuchtet, meist größer als der eigene. Man blättert, findet alles hübsch und weiß danach genauso wenig, was man tun soll.
Der Grund ist derselbe, an dem auch Ideenfindung im Beruf scheitert. Es fehlt die Aufgabe. Eine Idee ist immer die Antwort auf etwas. Ohne Frage ist sie nur ein Bild.
Schritt 1: Eine Woche lang beobachten
Bevor irgendetwas gekauft wird, sollten Sie eine Woche mitschreiben. Nicht planen, nur notieren, was tatsächlich stört. Fünf Fragen reichen dafür aus.
Wo stapelt sich regelmäßig etwas, das keinen Platz hat? In welchem Raum halten Sie sich nie auf, und warum nicht? Wo ist es abends zu dunkel zum Lesen und zu hell zum Ausruhen? Welchen Weg gehen Sie täglich mehrfach, und was steht dabei im Weg? Und was räumen Sie immer wieder weg, ohne dass es je aufhört?
Am Ende der Woche stehen meist fünf bis acht Punkte auf dem Zettel. Das sind die Aufgaben. Alles Weitere bezieht sich darauf.
Was dabei regelmäßig auffällt: Die Punkte auf dem Zettel haben selten mit Farbe oder Stil zu tun. Sie haben mit Licht, Wegen und Abstellflächen zu tun. Genau das kommt in Einrichtungsbildern kaum vor.
Schritt 2: Für jeden Punkt zehn Einfälle sammeln
Und zwar ohne zu prüfen, ob sie machbar sind. Das ist die Regel, die jede Brainstorming-Runde verlangt und die man allein zu Hause genauso oft verletzt.
Für „im Flur stapelt sich die Post“ wären das zum Beispiel ein Fach an der Wand, ein Korb auf der Kommode, ein Schlitz in einem Möbel, gar keine Kommode mehr, die Post gleich am Briefkasten sortieren, ein Regalbrett über der Tür, ein Wandhaken mit Klemmbrett, ein Rollcontainer, ein zweckentfremdeter Zeitungshalter und schließlich der Versuch, überhaupt weniger Post zu bekommen.
Der letzte Punkt ist ernst gemeint und die Sorte Lösung, die man nur findet, wenn man zehn statt drei Einfälle sammelt.
Schritt 3: Ungewohnte Kombinationen erzwingen
Wer sich im Kreis dreht, kommt mit einem Raster weiter. Der morphologische Kasten ist dafür gemacht. Merkmale in die Zeilen, mögliche Ausprägungen in die Spalten, dann quer durchgehen.
| Merkmal | Ausprägungen |
|---|---|
| Ort | Wand, Boden, Decke, Tür, Fensterbank, Ecke |
| Material | Holz, Metall, Textil, Karton, Glas, Pflanze |
| Funktion | verstauen, abtrennen, beleuchten, verbergen, zeigen |
| Beweglichkeit | fest, rollbar, klappbar, hängend, stapelbar |
| Herkunft | gekauft, gebraucht, umgenutzt, selbst gebaut |
Die Kombination aus Decke, Textil, abtrennen, hängend und selbst gebaut ergibt einen Vorhang statt einer Wand. Tür, Holz, verstauen, fest und umgenutzt ergibt ein Regal auf der Türinnenseite. Die Online-Vorlage rechnet die Zahl der Kombinationen aus und würfelt auf Wunsch eine zufällige. Gerade die unpassenden Ziehungen bringen die interessanten Einfälle.
Schritt 4: Wirkung gegen Aufwand abwägen
Erst hier wird bewertet. Die Reihenfolge ist wichtig, denn wer schon beim Sammeln rechnet, sammelt nicht.
| Maßnahme | Kosten | Aufwand | Wirkung |
|---|---|---|---|
| Zweite Lichtquelle auf mittlerer Höhe | gering | 1 Std | sehr hoch |
| Waagerechte Flächen leerräumen | keine | 2 Std | sehr hoch |
| Warmweiße Leuchtmittel statt kaltweiß | gering | 30 Min | hoch |
| Textilien ergänzen, Vorhang, Teppich, Kissen | mittel | 1 Std | hoch |
| Möbel umstellen, nichts kaufen | keine | 3 Std | hoch |
| Eine Wand farbig streichen | gering | 1 Tag | mittel bis hoch |
| Bilder auf einer Leiste statt einzeln gebohrt | gering | 2 Std | mittel |
| Pflanzen in Gruppen statt vereinzelt | gering | 1 Std | mittel |
| Neue Möbel | hoch | Wochen | unterschiedlich |
| Wandtattoos | gering | 1 Std | gering, altert schnell |
Die beiden wirksamsten Punkte kosten nichts. Das ist keine Sparempfehlung, sondern eine Beobachtung. Licht und freie Flächen verändern die Wahrnehmung eines Raumes stärker als Gegenstände darin.
Zum Licht noch ein Zusatz. Die meisten Wohnräume haben genau eine Lichtquelle, und die hängt an der Decke in der Mitte. Deckenlicht von oben flacht einen Raum ab. Zwei bis drei Lichtpunkte auf Augen- und Tischhöhe erzeugen Tiefe. Der Unterschied ist abends drastisch und kostet zwei Lampen.
Schritt 5: Vor dem Kauf abkleben
Die praktischste Regel des ganzen Beitrags. Grundfläche mit Kreppband auf dem Boden markieren und drei Tage darum herumlaufen.
Ein Sofa, das auf dem Plan passt, kann im Raum trotzdem falsch sein, weil der Weg zur Balkontür daran vorbeiführt oder weil die Schranktür nicht mehr aufgeht. Das merkt man beim Herumlaufen in drei Tagen und im Möbelhaus nie.
Für Mietwohnungen
Alles, was sich rückstandslos entfernen lässt, ist unbedenklich. Licht in jeder Form, also Steh- und Klemmleuchten ohne Bohrung. Textilien wie Vorhänge an Klemmstangen, Teppiche und Wandbehänge. Freistehende Regale, die nicht an der Wand hängen müssen. Bilderleisten statt vieler Einzelbohrungen, denn ein Dübel trägt viele Motive und lässt sich jederzeit ändern. Herausnehmbare Einlagen in vorhandenen Schränken. Und Paravents oder Raumteiler statt eingezogener Wände.
Vor kräftigen Wandfarben, Bohrungen in Fliesen und allem, was fest verbunden wird, lohnt ein Blick in den Mietvertrag. Im Zweifel ist ein kurzes Gespräch mit der Vermieterin unkomplizierter als die Diskussion beim Auszug.
Eine Wohnung ist nie fertig
Der Unterschied zwischen einem eingerichteten und einem gestalteten Raum ist, dass der gestaltete sich verändert. Was heute funktioniert, passt in zwei Jahren nicht mehr, weil sich der Alltag verschoben hat, durch ein Kind, einen Arbeitsplatz zu Hause oder einen anderen Rhythmus.
Deshalb ist es sinnvoll, veränderbar zu bauen. Rollbar statt fest, stapelbar statt eingepasst, geliehen statt gekauft, wenn man unsicher ist. Das ist keine Übergangslösung, sondern die realistischere Bauweise.
Es ist derselbe Grundsatz, der auch für Ideen im Beruf gilt. Die erste Fassung ist ein Entwurf. Wer sie so behandelt, ändert sie leichter und kommt zu besseren Ergebnissen als jemand, der beim ersten Versuch alles richtig machen will. Woher die Anregungen dafür kommen, steht unter Neue Ideen durch Inspiration.
Häufige Fragen
Wie findet man Wohnideen, die zur eigenen Wohnung passen?
Indem man nicht mit Bildern anfängt, sondern mit einer Woche Beobachtung. Was stört tatsächlich? Wo stapelt sich etwas, wo fehlt Licht, welcher Raum wird nie benutzt? Jede dieser Beobachtungen ist eine Aufgabe. Bilder helfen erst danach, als Materialsuche für eine Aufgabe, die schon feststeht.
Was bringt am meisten Wirkung für wenig Geld?
Licht, Ordnung der Flächen und Textilien, in dieser Reihenfolge. Eine zweite Lichtquelle auf mittlerer Höhe verändert einen Raum abends stärker als neue Möbel. Danach kommt das Freiräumen waagerechter Flächen. Beides kostet fast nichts und wirkt sofort.
Welche Ideen funktionieren in einer Mietwohnung?
Alles, was sich rückstandslos entfernen lässt. Licht, Textilien, freistehende Regale, Klemmstangen, Bilderleisten, herausnehmbare Einlagen in Schränken. Vor größeren Eingriffen wie kräftiger Wandfarbe oder Bohrungen in Fliesen lohnt ein Blick in den Mietvertrag und im Zweifel eine kurze Absprache.
Wie vermeidet man Fehlkäufe beim Einrichten?
Messen, aufzeichnen, abkleben. Markieren Sie die Grundfläche eines geplanten Möbelstücks mit Kreppband auf dem Boden und laufen Sie drei Tage darum herum. Erstaunlich viele Käufe erledigen sich damit von selbst, und die verbleibenden passen.
Was hat Einrichten mit Kreativitätstechniken zu tun?
Es folgt derselben Grundregel, erst sammeln, dann bewerten. Wer beim ersten Einfall schon rechnet, ob er machbar ist, kommt nie zu ungewöhnlichen Lösungen. Und der morphologische Kasten funktioniert bei Raumgestaltung genauso wie in der Produktentwicklung, mit Merkmalen in Zeilen und Ausprägungen in Spalten.
Themenbereich: Ideen
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