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Kreative Bastelideen
Basteln ohne Anleitung. Warum gerade das Weglassen der Vorlage zu eigenen Einfällen führt.
Die meisten Bastelseiten liefern Anleitungen. Vierzehn Schritte. Materialliste. Vorlage zum Ausdrucken. Das Ergebnis sieht aus wie das Foto. Genau darin liegt das Problem.
Eine Anleitung nimmt die einzige Entscheidung ab, um die es beim kreativen Basteln geht, nämlich was daraus werden soll. Wer eine Vorlage abarbeitet, übt Handfertigkeit. Das ist wertvoll, aber es ist etwas anderes.
Material, das etwas hergibt
Die Faustregel lautet: Je weniger ein Material schon einen Zweck hat, desto mehr lässt sich damit anfangen.
| Gutes Material | Warum |
|---|---|
| Kartons in verschiedenen Größen | lassen sich schneiden, falten, stapeln, bemalen |
| Papier in mehreren Stärken | von Seidenpapier bis Pappe, jede Stärke verhält sich anders |
| Stoffreste und Filz | fassen sich anders an als Papier, lassen sich nähen und kleben |
| Draht und Schnur | verbinden Dinge, die sonst nicht zusammengehen |
| Naturmaterial | Zapfen, Kastanien, Zweige, Blätter, Steine, Muscheln |
| Verpackungen | Deckel, Korken, Schachteln, Rollen |
Anderes Material sieht nach Basteln aus und gibt trotzdem wenig her.
| Weniger ergiebig | Warum |
|---|---|
| Bastelsets mit vorgestanzten Teilen | das Ergebnis ist schon entschieden |
| Fertige Motivstanzer | erzeugen immer dieselbe Form |
| Ausmalvorlagen | trainieren Ausdauer, nicht Einfallsreichtum |
Die günstigste und beste Materialquelle ist ein Spaziergang, und zwar einer ohne Einkaufsliste, bei dem man mitnimmt, was auffällt. Naturmaterial ist unregelmäßig, und diese Unregelmäßigkeit erzwingt Entscheidungen. Zwei Zapfen sind nie gleich, also muss man überlegen.
Zwölf Ideen zum Loslegen
Bewusst ohne Schrittanleitung. Die Idee ist der Anstoß, den Rest entscheiden Sie.
| Idee | Der Reiz daran |
|---|---|
| Ein Mobile aus Fundstücken | alles aus einem einzigen Spaziergang |
| Wandbild aus Stoffresten | nur eine Farbfamilie zulassen |
| Aufbewahrung aus Kartons | muss exakt in ein vorhandenes Regal passen |
| Lampenschirm aus Papier | die Lichtwirkung erst ganz am Ende prüfen |
| Ein Objekt aus genau fünf Teilen | die Beschränkung ist die eigentliche Aufgabe |
| Etwas Kaputtes reparieren | sichtbar statt unsichtbar |
| Ein Spielzeug ohne bewegliche Teile | soll sich trotzdem verändern |
| Bilderrahmen aus Zweigen | ungerade und ungleichmäßig |
| Ein Windspiel | aus Dingen, die eigentlich keinen Klang haben |
| Adventskalender aus 24 Behältern | keiner davon doppelt |
| Ein Objekt mit zwei Seiten | von vorn funktioniert es, von hinten zeigt es etwas anderes |
| Etwas, das auf dem Kopf besser aussieht | als richtig herum |
Der letzte Punkt ist eine eigene kleine Übung. Hängen Sie ein fertiges Werk verkehrt herum auf und schauen Sie es einen ganzen Tag lang so an, ohne es zwischendurch zurückzudrehen. Erstaunlich oft ist es so besser, und man sieht, welche Entscheidungen man aus Gewohnheit getroffen hat.
Vier Wege, wenn Ihnen nichts einfällt
Eine Einschränkung setzen. Nur eine Farbe. Nur fünf Teile. Nur Material aus dem Papierkorb. Ein leeres Blatt lähmt, eine enge Vorgabe befreit.
Ein Reizwort ziehen. Ein zufälliger Begriff, der nichts mit Basteln zu tun hat, und dann die Frage, wie ein Objekt aussähe, das dazu passt. Der Reizwort-Generator liefert eines per Klick, das Verfahren dahinter steht unter Reizwortanalyse.
Etwas Bestehendes verändern. Statt neu anzufangen ein vorhandenes Objekt nehmen und die sieben Fragen aus SCAMPER darauf anwenden. Ersetzen, kombinieren, vergrößern, weglassen, umkehren.
Erst Eindrücke sammeln. Eine halbe Stunde Bilder von Handwerk, Architektur oder Naturformen anschauen, ohne etwas zu planen. Ideen entstehen aus Material, das im Kopf liegt.
Mit Kindern
Drei Regeln machen fast den ganzen Unterschied.
Nicht korrigieren. Auch wenn der Kleber danebengeht und das Dach schief sitzt. Wer korrigiert, macht aus dem eigenen Werk ein fremdes.
Nicht bewerten. „Das ist aber schön geworden“ setzt einen Maßstab, an dem sich jedes weitere Werk messen lassen muss. „Erzähl mir davon“ öffnet.
Genug Material bereitlegen. Die ersten Versuche misslingen. Mit Nachschub geht es weiter, ohne Nachschub endet es in Frust.
Mehr dazu steht unter Kreativität bei Kindern.
Der wichtigste Punkt
Planen Sie Fehlschläge ein. Nicht als Rückschlag, sondern als Ablauf. Die ersten drei Versuche gehen daneben, der vierte wird etwas. Wer das vorher weiß, hört nach dem zweiten nicht auf.
Und das gilt weit über das Basteln hinaus. Es ist dieselbe Regel, die hinter jeder Kreativitätstechnik steht. Man braucht die vielen unbrauchbaren Versuche, um zu den wenigen brauchbaren zu kommen.
Häufige Fragen
Warum ohne Anleitung basteln?
Eine Anleitung nimmt die einzige Entscheidung ab, um die es beim kreativen Basteln geht, nämlich was daraus werden soll. Wer eine Vorlage abarbeitet, übt Handfertigkeit. Das ist wertvoll, aber etwas anderes. Wer ohne Vorlage anfängt, muss selbst entscheiden, und genau dabei entstehen eigene Lösungen.
Welches Material eignet sich zum Einstieg?
Unfertiges Material. Kartons, Papier in verschiedenen Stärken, Stoffreste, Draht, Naturmaterial wie Zapfen, Kastanien oder Zweige. Je weniger ein Material schon einen Zweck hat, desto mehr lässt sich damit anfangen. Ein Bastelset mit vorgestanzten Teilen ist das Gegenteil davon.
Was tun, wenn nichts gelingt?
Genug Material einplanen. Die ersten Versuche misslingen fast immer, und wer nach dem zweiten Fehlschlag kein Material mehr hat, hört auf. Rechnen Sie mit drei bis vier Anläufen, nicht als Rückschlag, sondern als normalen Ablauf.
Ab welchem Alter können Kinder mitmachen?
Sobald sie greifen und kleben können, also etwa ab zwei Jahren, dann mit großen, ungefährlichen Materialien. Entscheidend ist weniger das Alter als die Haltung der Erwachsenen. Nicht korrigieren, nicht das Ergebnis bewerten, sondern fragen, was es darstellt.
Themenbereich: Ideen
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