Kreativitätstechnik
Galeriemethode
Skizzieren statt reden. Eine Kreativitätstechnik für alles, was sich zeichnen lässt, mit fünf Phasen, einem Zeitplan und einem Empfangsbereich als Beispiel.
Die Galeriemethode ist eine Kreativitätstechnik, bei der jeder zuerst allein eine Lösung skizziert und die Skizzen dann wie in einer Galerie an der Wand hängen. Wikipedia beschreibt sie als Kombination von Einzel- und Gruppenarbeit, und genau das ist der Vorteil gegenüber dem Zuruf. Sie passt zu allem, was sich zeichnen lässt, einem Grundriss, einem Ablauf, einer Verpackung, und zu wenig von dem, was sich nur sagen lässt. Eine Runde dauert mit fünf Phasen rund 75 Minuten.
Ablauf in fünf Phasen
Fünf Phasen in 75 Minuten: Zweimal arbeitet jeder allein, dazwischen hängt alles an der Wand.
- Einführung, 10 Minuten. Die Moderation stellt das Problem vor, erklärt die Regeln und verteilt je Person einen Bogen und einen dicken Stift.
- Ideenbildung I, 20 Minuten. Jeder skizziert allein eine eigene Lösung. Kästen und Pfeile reichen, Beschriftung ist erlaubt, Reden nicht.
- Assoziation, 15 Minuten. Die Bögen hängen nebeneinander an der Wand. Die Gruppe geht die Galerie ab, jeder erklärt seinen Entwurf in einer Minute, Fragen sind erlaubt, Kritik nicht.
- Ideenbildung II, 15 Minuten. Zurück am Platz überarbeitet jeder seine Skizze mit dem, was er an der Wand gesehen hat, oder zeichnet eine neue, die zwei fremde Elemente verbindet.
- Auswahl, 15 Minuten. Die zweite Galerie hängt, die Gruppe bewertet mit Klebepunkten und legt fest, welche Entwürfe weiterbearbeitet werden.
Die Zeiten sind Richtwerte für sechs bis acht Personen. Die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften beschreibt in ihrem Leitfaden zur Ideengenerierung dieselben fünf Phasen ohne Minutenangaben, und die zweite Ideenbildung lässt sich wiederholen, wenn die erste Galerie zu wenig Verschiedenes zeigt. Die Verhaltensregeln entsprechen denen des Brainstormings, vor allem die erste. Während der Assoziation wird nichts bewertet.
Was an die Wand gehört
Eine Skizze, kein Text. Das ist die Regel, an der die Methode steht oder fällt. Wer seinen Bogen mit Sätzen füllt, hat ein Brainwriting mit Umweg gemacht. Die Galerie lebt davon, dass die anderen auf einen Blick erfassen, was gemeint ist, und ein Grundriss mit drei Pfeilen sagt das schneller als zehn Zeilen.
Die ZHAW zählt Zeichen- und Kommunikationsvermögen zu den Voraussetzungen, und im Workshop heißt das wenig. Kästen, Pfeile, Strichmännchen und eine Beschriftung aus zwei Wörtern reichen in jedem Fall. Wer sich traut, zeichnet größer, denn ein Bogen, der aus zwei Metern Entfernung lesbar ist, bekommt in der Galerie mehr Aufmerksamkeit als ein kleinteiliger. Perfektion stört sogar, weil ein sauberer Entwurf fertig wirkt und niemand mehr etwas daran ändern mag.
Hilfreich ist eine Vorgabe an alle, was die Skizze mindestens zeigen soll. Bei einem Raum sind das die Wände und der Eingang, bei einem Ablauf Anfang und Ende. So bleiben die Entwürfe vergleichbar, und die Galerierunde beginnt mit dem Inhalt und nicht mit der Frage, wo oben ist.
Beispiel: ein Empfangsbereich
Ein Büro mit acht Beschäftigten wollte seinen Empfang neu gestalten, einen Raum von fünf mal vier Metern mit Tresen, zwei Stühlen und einem Drucker, den niemand dort haben wollte. Sechs Personen skizzierten je einen Grundriss, 20 Minuten, ohne miteinander zu sprechen.
In der Galerie hingen sechs sehr verschiedene Räume. Zwei hatten den Tresen an die Seite gerückt, einer hatte ihn gestrichen und durch einen Stehtisch ersetzt, drei hatten eine Sitzecke am Fenster, und einer hatte den Drucker in einen Schrank mit Schiebetür gesteckt. Beim Abgehen der Galerie fiel auf, dass niemand die Garderobe eingezeichnet hatte.
Die zweite Runde brachte das Ergebnis. Die Sitzecke am Fenster aus Skizze drei wurde mit dem Druckerschrank aus Skizze sechs kombiniert, der Tresen blieb, rückte aber an die Seitenwand, und die Garderobe bekam einen Platz neben der Tür. Keine der sechs Ausgangsskizzen wurde umgesetzt, und trotzdem stammte jedes Element des Ergebnisses aus einer davon.
Wofür die Galeriemethode taugt und wofür nicht
Die ZHAW empfiehlt die Methode für Gestaltungs-, Konstruktions- und Planungsprobleme, und das deckt sich mit der Erfahrung. Alles mit einer räumlichen oder zeitlichen Anordnung, Grundrisse, Verpackungen, Abläufe, Formulare, Bildschirmmasken, Veranstaltungsflächen, lässt sich skizzieren, und bei allem davon sagt die Skizze mehr als die Karte. Wikipedia hebt dazu Gruppen hervor, in denen Laien und Profis zusammen arbeiten, weil ein Grundriss beiden dieselbe Sprache gibt.
Die Grenzen nennt dieselbe Quelle. Der Zeitaufwand ist hoch, und Entwürfe aus Einzelarbeit finden in der Gruppe nicht immer Zustimmung. Dazu kommt aus der Praxis, dass abstrakte Fragen an der Methode vorbeigehen. „Wie verbessern wir die Zusammenarbeit?“ lässt sich nicht zeichnen, und wer es versucht, landet bei Schlagwörtern in Wolken. Dafür sind Brainwriting oder die Kopfstandmethode die besseren Werkzeuge.
Für Gruppen über zwölf wird die Galerie zu lang, weil die Assoziationsphase mit jedem Bogen wächst. Dann hilft die Variante Gallery Walk, ein Rundgang ohne Vorträge, bei dem jeder Haftnotizen mit Fragen und Ergänzungen direkt an die Bögen klebt und die Urheber die Notizen danach lesen.
Material und Raum
Der Materialbedarf ist klein, und er ist je Person zu rechnen.
- Ein Bogen Flipchart-Papier oder ein Blatt in A3 je Person, unliniert.
- Ein dicker Stift in Schwarz und einer in einer zweiten Farbe für die Überarbeitung.
- Eine freie Wand von etwa einem Meter je zwei Bögen, ersatzweise eine Pinnwand je vier Bögen.
- Eine Rolle Kreppband, vier Streifen je Bogen.
- Für den Gallery Walk ein Block Haftnotizen je Person.
Der Raum braucht Platz zum Herumgehen. In einem Besprechungsraum mit Tisch in der Mitte funktioniert die Galerie an zwei gegenüberliegenden Wänden, wenn die Stühle weggeräumt sind. Ein Timer an der Wand hält die Phasen auf der geplanten Länge, denn die Skizzierphase zieht sich sonst. Welche Kreativitätstechnik sonst zu einer Gestaltungsfrage passt, zeigt der Methodenfinder.
Wie unterscheidet sie sich von Brainwriting und World Café?
Alle drei beginnen mit Einzelarbeit oder Kleingruppen und enden in der Runde. Der Unterschied liegt im Medium. Wer viele Ideen in kurzer Zeit braucht, nimmt das Brainwriting. Wer viele Menschen beteiligen will, das World Café. Wer eine Gestalt braucht, die Galerie.
| Galeriemethode | Brainwriting | World Café | |
|---|---|---|---|
| Medium | Skizze auf dem Bogen | Stichworte auf Karten | Gespräch am Tisch |
| Gruppe | 4 bis 12 | 4 bis 12 | 12 bis 200 |
| Dauer | 60 bis 90 Minuten | 20 bis 40 Minuten | 2 bis 3 Stunden |
| Stärke | Anordnung und Gestalt | Menge und Ruhe | Beteiligung und Austausch |
| Ergebnis | zwei bis drei ausgewählte Entwürfe | geordnete Kartenwand | gemeinsames Meinungsbild |
Häufige Fragen
Wie viele Personen sind für die Galeriemethode ideal?
Sechs bis acht. Darunter hängen zu wenige Entwürfe, um Elemente kombinieren zu können, darüber dauert die Galerierunde länger als die Aufmerksamkeit reicht. Bei zwölf Personen rechnen Sie mit 90 Minuten, bei mehr teilen Sie in zwei Gruppen mit je einer Wand.
Lässt sich die Galeriemethode online durchführen?
Ja, auf einem digitalen Whiteboard, auf dem jeder einen Bereich bekommt und mit Formen und Linien skizziert. Die Galerierunde läuft als Bildschirmrundgang, bei dem jeder seinen Bereich in einer Minute erklärt. Was verloren geht, ist das Nebeneinander der Bögen auf einen Blick, deshalb hilft eine Übersichtsansicht nach der Runde.
Woher kommt der Name Galeriemethode?
Von der Wand. Die Entwürfe hängen nebeneinander wie Bilder in einer Ausstellung, und die Gruppe geht sie ab wie Besucher. Der Name beschreibt also die Assoziationsphase, in der alle Skizzen für alle sichtbar sind, und nicht die Einzelarbeit davor.
Was ist der Unterschied zwischen Galeriemethode und Gallery Walk?
Der Gallery Walk ist ein Rundgang ohne Vorträge, oft im Unterricht eingesetzt. Die Gruppe geht an Plakaten entlang und hinterlässt Kommentare auf Haftnotizen. Die Galeriemethode hat davor und danach je eine Phase Einzelarbeit, in der skizziert und überarbeitet wird. Der Rundgang ist bei der Galeriemethode nur die Mitte.
Muss die zweite Ideenbildung eine neue Skizze sein?
Nein. Die meisten überarbeiten den eigenen Bogen mit einer zweiten Farbe und übernehmen zwei oder drei Elemente, die ihnen an der Wand gefallen haben. Eine ganz neue Skizze lohnt sich, wenn der eigene Entwurf in der Galerierunde gegen einen anderen klar verloren hat, dann wird der andere die Grundlage.
Quellen & weiterführende Links
Themenbereich: Kreativitätstechniken
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