Workshop-Material
Haftnotizen und Klebepunkte
Vom misslungenen Kleber zum Workshop-Standard. Formate, Haftkraft, Punktgrößen und die Faustregel für die Abstimmung.
Die Haftnotiz entstand 1968 aus einem misslungenen Kleber bei 3M, und im Workshop ist sie bis heute der schnellste Weg, Ideen an die Wand zu bringen. Klebepunkte machen aus derselben Wand eine Abstimmung, mit einer Faustregel für die Zahl der Punkte, die fast niemand kennt. Beides gehört zum Verbrauchsmaterial im Workshop-Material, und beides wird häufiger falsch gekauft als jeder Koffer.
Woher die Haftnotiz kommt
Spencer Silver suchte 1968 bei der Minnesota Mining and Manufacturing Company einen stärkeren Kleber und fand einen schwächeren, der haftete und sich wieder lösen ließ. Sein Kollege Art Fry nutzte ihn 1974 als Lesezeichen im Notenheft des Kirchenchors. Der ursprüngliche Klebezettel der Marke Post-it ist kanariengelb und misst 76 × 76 mm, und inzwischen gibt es Haftnotizen in mehr als 400 Varianten von vielen Herstellern.
Post-it ist eine Marke von 3M, Haftnotiz der Gattungsbegriff. Im Workshop zählt die Haftkraft, und da unterscheiden sich die Blöcke deutlich.
Welches Format für die Wand?
| Format | Maß | Haftkraft | Einsatz im Workshop |
|---|---|---|---|
| klein | 48 × 48 mm | normal | Markierungen, Namen, ein Wort |
| Standard | 76 × 76 mm | normal oder stark | stille Phase, ein Gedanke je Zettel |
| quer | 127 × 76 mm | stark | Beiträge in drei bis sieben Wörtern, von weitem lesbar |
| groß | 101 × 152 mm | stark | Überschriften, Gruppen, Ergebnissätze |
Normale Haftnotizen sind für Papier auf dem Schreibtisch gemacht. An der Raufaserwand, am Flipchartbogen und an Glas fallen sie nach einer Stunde ab, und am nächsten Morgen liegen sie auf dem Boden. Für Wände braucht es die stärker klebende Variante, bei Post-it heißt sie Super Sticky, andere Hersteller schreiben „stark haftend”.
Das Querformat ist für Workshops das bessere, weil ein kurzer Satz in Druckbuchstaben hineinpasst und aus zwei Metern lesbar bleibt. Die kleinen Quadrate sind für Markierungen gut und für Beiträge zu klein.
Beschriften und hängen
Für Haftnotizen gelten dieselben Regeln wie für Moderationskarten. Ein Gedanke je Zettel, drei bis sieben Wörter, Druckbuchstaben, dicker Stift. Der Kugelschreiber ist der häufigste Fehler, weil er auf dem Block gut aussieht und an der Wand verschwindet.
Beim Abziehen zählt die Richtung. Wer den Zettel von unten nach oben abzieht, wölbt den Klebestreifen, und der Zettel steht später von der Wand ab. Seitlich abziehen, dann liegt er flach.
- Ein Gedanke je Zettel, Substantive vor Verben
- Keilspitze, Schwarz oder Blau
- Seitlich vom Block abziehen
- Zettel im Raster hängen, Abstand eine Zettelbreite, dann lässt sich umhängen
- Am Ende fotografieren, bevor der erste Zettel fällt
Für Flipchartbögen an der Wand ist das Kreppband zuständig. Malerkrepp hält auf Raufaser und lässt sich ohne Spuren abziehen, laut tesa bis zu vier Tage nach dem Kleben, und es ist beschreibbar, sodass ein Streifen über dem Bogen die Überschrift tragen kann. Eine Rolle je Workshoptag ist die Faustregel.
Ein Block Haftnotizen und ein Bogen Klebepunkte, das Verbrauchsmaterial eines Workshoptags.
Klebepunkte: Größe und Farbe
Klebepunkte, im Bürobedarf auch Markierungspunkte genannt, gibt es von 8 bis 25 Millimetern, gängig sind 10 und 20. Für die Wand zählt 20 mm, weil die Gruppe das Ergebnis aus zwei Metern lesen soll. Die 10-mm-Punkte eignen sich für Listen auf dem Tisch und für Karten, auf denen mehrere Kriterien nebeneinander stehen.
Farben haben eine Aufgabe, wenn die Moderation sie vergibt. Eine Farbe je Kriterium ist die übliche Verabredung: Grün für Machbarkeit, Rot für Wirkung, Blau für „will ich selbst umsetzen”. Dann zeigt die Wand nach zwei Minuten, welche Idee gewinnt und aus welchem Grund. Ohne Verabredung reicht eine Farbe, und die Punkte in zehn Farben aus dem Set bleiben auf dem Bogen.
Die Mengen sind großzügig. Ein Bogen mit 2.000 Punkten reicht für etwa 50 Abstimmungsrunden mit zehn Personen, und die Punkte altern nicht. Für den Morphologischen Kasten dienen sie außerdem als Markierung der Kombinationen, eine Farbe je Linienzug.
Wie funktioniert Dot-Voting?
Die Punktabstimmung hat einen englischen Namen und eine einfache Mechanik. Teilnehmer stimmen mit einer begrenzten Zahl von Aufklebern über Optionen ab, und Klebepunkte sind die häufigste Form dieser kumulativen Abstimmung. Die Faustregel für die Zahl stammt aus der Moderationspraxis der University of South Carolina: ein Punkt je vier bis fünf Optionen. Dort heißt es auch: zehn Optionen, zwei oder drei Punkte je Person. Verbreitet ist die Punktabstimmung inzwischen weit über die Moderation hinaus, agile Teams und der Design Sprint nutzen sie für schnelle Entscheidungen.
| Regel | So geht es |
|---|---|
| Vorbereitung | Dubletten zusammenlegen, Ideen gruppieren, jede Option lesbar an der Wand |
| Kriterium nennen | Wonach wird bewertet: Wirkung, Machbarkeit, Dringlichkeit? Vorher sagen |
| Punkte verteilen | ein Punkt je vier bis fünf Optionen, bei zwölf Ideen also drei |
| Häufen erlaubt? | Vorher festlegen, ob mehrere Punkte auf eine Idee dürfen |
| Still kleben | keine Reden während des Klebens, möglichst alle gleichzeitig, zwei Minuten auf der Sanduhr |
| Auswerten | zählen, Muster und Überraschungen besprechen, bei Gleichstand zweite Runde unter den Spitzenreitern |
Der Mitläufer-Effekt ist die Schwäche der Methode. Wer als Letzter klebt, sieht die Mehrheit. Dagegen hilft gleichzeitiges Kleben oder das Setzen der Punkte auf eine Karte in der Hand, die erst danach an die Wand kommt. Im Brainstorming ist die Punktabstimmung die fünfte Phase, und dort entscheidet sie über die Nachbereitung.
Mengen je Workshop
| Workshop, 10 Personen | Haftnotizen | Klebepunkte 20 mm | Kreppband |
|---|---|---|---|
| Besprechung mit einer Sammelrunde | 1 Block 76 × 76 | 30 | 4 Streifen |
| Workshoptag, zwei Sammelrunden, zwei Abstimmungen | 2 Blöcke quer, 1 Block groß | 100 | halbe Rolle |
| Zweitägiger Workshop mit Galerie | 4 Blöcke quer, 2 Blöcke groß | 200 | 1 Rolle |
Ein Sechserpack Super Sticky und ein Bogen mit 2.000 Punkten decken ein Jahr mit monatlichen Workshops. Mehr steht in der Packliste des Beitrags über das richtige Werkzeug für Kreativitätstechniken, und das meiste davon passt in ein Fach des Moderationskoffers.
Häufige Fragen
Haftnotizen oder Moderationskarten?
Haftnotizen, wenn es schnell gehen soll und keine Pinnwand im Raum steht. Moderationskarten, wenn die Karten mehrfach umgehängt werden und das Ergebnis über Tage hängen bleibt. Für die stille Phase im Brainstorming reicht der Block, für die Kartenabfrage mit Clustern sind Karten mit Nadeln im Vorteil.
Warum fallen meine Haftnotizen von der Wand?
Weil normale Haftnotizen für Papier auf dem Schreibtisch gemacht sind. Auf Raufaser, Glas und Flipchartbögen hält nur die stärker klebende Variante, und auch die nicht über Nacht in einem warmen Raum. Wer die Wand am nächsten Tag noch braucht, fotografiert sie oder nimmt Karten mit Nadeln.
Wie viele Klebepunkte bekommt jede Person?
Einen Punkt je vier bis fünf Optionen, also drei Punkte bei zwölf Ideen. Weniger zwingt zur Entscheidung, mehr verteilt die Stimmen so breit, dass kein Ergebnis entsteht. Ob mehrere Punkte auf dieselbe Idee dürfen, sagt die Moderation vorher.
Reichen Klebepunkte aus dem Bürobedarf?
Ja, solange sie rund, einfarbig und mindestens zwei Zentimeter groß sind. Etiketten mit Aufdruck, Sterne und Smileys lenken vom Inhalt ab und lassen sich schlechter zählen. Wer häufig moderiert, nimmt die großen Bögen mit tausend Punkten in zehn Farben, weil dann die Farbe je Kriterium frei bleibt.
Kann man Dot-Voting manipulieren?
Ja, und zwar durch Zuschauen. Wer als Letzter klebt, sieht die Mehrheit und folgt ihr. Dagegen hilft, dass alle gleichzeitig kleben, oder dass die Punkte vorher auf Karten gesetzt werden, die erst dann an die Wand kommen. Auch Lobbyreden während des Klebens sind untersagt, die Stimme ist still.
Quellen & weiterführende Links
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